Kreisrund07.3/Greentux
Aus Grüne Kreis Gütersloh
Greentux
Am 23. November 2006 wurde im KV der Arbeitskreis Freie Software ins Leben gerufen. Grund dafür war, dass Datenschutz, freie Software, freie Inhalte und der freie Zugang zum Wissen der Menschheit in der Grünen Politik zwar als wichtiges Thema angekommen sind, aber noch viel Verbesserungsbedarf in der praktischen Umsetzung besteht. Hier wollte der KV ein Zeichen setzen und Modelle entwickeln, wie freie Software bei den Grünen auch in der Praxis Einzug erhalten können. Doch was heißt überhaupt frei? Hier ist man gerne geneigt, schnell an "Freibier" oder "freier Eintritt" zu denken (schnell in Verbindung mit dem Trugschluss "Was nichts kostet, taugt auch nichts."). Das freie Software in der Anschaffung nichts kostet, ist auch oft richtig. Frei meint hier aber frei wie in Freiheit. Die Freiheit, die Software für alle Zwecke zu nutzen, weiterzugeben und sogar zu verändern. Das setzt voraus, dass die Software samt Quellcode geliefert wird - das, was der Programmierer schreibt und woraus das lauffähige Programm errechnet wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Zugriff auf den Quellcode ermöglicht es, Fehler zu beheben, ein Programm an eigene Bedürfnisse anzupassen, z.B. die Sprache oder Dateiformate, oder genau nachvollziehen zu können, was die Software überhaupt macht - Spionageprogramme haben als freie Software keine Chance. Durch die Freiheit der Weitergabe erhält man freie Software auch meist kostenlos aus dem Internet. Mit freien Inhalten werden zum Beispiel Texte, Bilder, Musik oder Filme gemeint, die jeder nutzen, weitergeben und oft auch verändern darf. Viele Vorteile haben die Grünen längst erkannt. Im politischen Alltag finden aber dennoch oft unfreie System oder Dateiformate Verwendung, die Kommunikation mit Benutzern freier Formate erschweren. Der AK Freie Software hat sich mit dem Projekt Greentux das Ziel gesetzt, innerhalb der Partei die Arbeit mit freier Software voran zu treiben. Dabei sollte zunächst der Rechner der Kreisgeschäftsstelle auf GNU/Linux umgestellt werden, einer freien Alternative zu Microsoft Windows. Dazu wurde und wird auch eng mit Programmierern von Skolelinux zusammengearbeitet, einer Linuxvariante speziell für Schulen, sowie das Skolelinux-Testzentrum in Gütersloh genutzt. Mittlerweile wird das Linux-System für die alltäglichen Geschäfte genutzt. Alle Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, wurden dabei protokolliert, sodass sie auch anderen Gliederungen als Grundlage für eine "Migration in die Freiheit" dienen können. Im Juni informierte sich die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, über die Arbeit des Projekt Greentux. Im Rahmen der Kreismitgliederversammlung im März wurde das Projekt im Grünen Kreisverband vorgestellt. Kurt Gramlich, Gründungsmitglied der Grünen und Projektleiter von Skolelinux Deutschland, und Parteiratsmitglied Julia Seeliger informierten dabei über freie Software und über ihre Bedeutung für globale Gerechtigkeit und Freiheit. Im April war das Projekt mit einem Stand auf den Linuxtagen in Oldenburg vertreten. Langfristiges Ziel ist, dass freie Strukturen Anwendung bei Grünen Gremien auf allen Ebenen finden und auch in öffentliche Einrichtungen wie Schule und Verwaltung Einzug erhalten. Der Förderung eines Quasi-Monopols durch öffentliche Gelder obwohl geeignete Alternativen bestehen, eingehend mit dem Zwang zu Dateiformaten, die Kommunikation verhindern, kann so ein Ende gesetzt werden. Als nächstes sollen die Ortsverbände besucht werden, um die Mitglieder vor Ort über freie Software im Allgemeinen und im Speziellen mit der Arbeit mit einem Wiki vertraut zu machen. Wikis sind Online-Anwendungen, die es den Benutzern erlauben, angelegte Texte einzusehen und zu bearbeiten, sodass gemeinsam z.B. an einer Pressemitteilung, einem Antrag oder einer Aufgabenliste gearbeitet werden kann. Im Kreisverband und im Ortsverband Gütersloh wird die Software bereits profitabel eingesetzt. Schulungen und Informationen sollen in Zukunft verstärkt stattfinden. Wer aktuelle Infos sucht, oder sich am Arbeitskreis beteiligen möchte, sollte sich bei der Mailingliste anmelden.

